Sabine Bühlmann, Jahrgang 1974
„Was Du entzünden willst, muss in Dir selbst brennen.“ (Augustinus)
Leidenschaft!
Seitdem ich denken kann, habe ich Leidenschaft für Pferde empfunden. Genauer gesagt: Leidenschaft für die Bindung zwischen Pferd und Mensch.
Als Kind nahm ich Reitunterricht – diese Geschichte klingt bei so vielen ganz ähnlich: Im örtlichen Reitstall, einmal die Woche, Dressur und Springen, Pflegepony durfte ich nicht. „Erst die Schule“, sagten die Eltern. Der Reitunterricht war hart aber herzlich. Natürlich wechselten die Reitschulpferde – und jedes Mal, wenn ich eines etwas genauer kennengelernt und liebgewonnen hatte, war es wieder weg … Irgendwann siegte der Frust und ich wollte nicht länger der ewige Ponyreiter sein. Ein paar Jahre ohne Pferde und mit Konzentration auf Schule und Abitur folgten. Doch lange ließ mich das „Virus“ nicht los – mit 19 suchte ich mir meine erste Reitbeteiligung. „Smokie“ war ein Welsh Cob mit hohem Vollblutanteil und lehrte mich völlig neue Dinge: Aufmerksamkeit im Gelände, Schwung und Aktion in der Bahn. Und Gefühl, viel mehr Gefühl als vorher.
Über Stallnachbarn kam ich zum Westernreiten – ja, das ist es! Für Western-Reitunterricht mußte man damals noch 50 km weit fahren. Doch ich liebte das Reiten und „mein“ Schulpferd Pat, eine Paintstute, die sehr gern arbeite – das perfekte Lehrpferd. War man bei der Sache und korrekt, gab Pat beim Unterricht alles, was sie hatte: Biegung, Flexibilität, eine raumgreifende Galoppade und alle Manöver der Westernschule – und wieder: viel, viel Gefühl. Umso schlimmer das Gefühl, als Pat verkauft wurde. So war die Wirklichkeit im Reitstall. Leider nicht gut für Pat: sie kam nach wenigen Monaten zurück und war regelrecht sauer: ihre neue Besitzerin hatte sie einfach „in die Ecke gestellt“. Sie war zufrieden bei der Arbeit, doch das große Nichtstun brachte sie nur an den Rand der Unreitbarkeit. Nach einer Weile durfte ich sie wieder reiten, nachdem sie „korrekturgeritten“ worden war. Es kamen neue Interessenten, englischsprachig. Sie wollten sie kaufen, für gelegentliche Geländeritte, und fragte mich, wie ich sie fand, weil ich sie gerade nach der Reitstunde versorgte. Ich berichtete – und riet diesen Leuten vom Kauf ab, denn ich wußte: das ist nicht das, was Pat wollte... und beiden Seiten wären nicht glücklich... diesen Reitstall habe ich von diesem Tag an nie wieder betreten. Ja, die wirtschaftlichen Interessen...
Bei den Deutschen Meisterschaften im Westernreiten in Münster (1996?) fand ich eine Verkaufsanzeige: „Asil-Araberhengst“ - wow! Unmöglich für mich, dachte ich damals. Der Kontakt zur Besitzerin war schnell hergestellt. Und nach einigen Besuchen ihrer Zucht in Warendorf bot sie mir an, ihre Stammstute gelegentlich mitzureiten. „Sie geht nicht mehr auf Turniere, aber sie möchte immer noch etwas zu tun haben.“ Aber gern! In diesem Moment kam ein neuer, latent vorhandener Pferde-Virus vollends zum Ausbruch: die allseits bekannte „Arabitis“, Leidenschaft für Arabische Pferde ;-) Wen wundert's, daß meine beiden Schätze im Stall Araberschimmel sind... :-)
Die letzten zehn Jahre sind ein Bild von Leidenschaft: ich habe die Ausbildungsmethoden des Natural Horsemanship für mich entdeckt und erlebt. Begonnen hat alles in den italienischen Alpen, wo ich auch mein Pferd Jokim kennengelernt habe (das ist eine andere Geschichte ;-) und in den ersten zwei, drei Jahren war ich vor allem als Schülerin des Parelli-Systems aktiv. Doch eine Weiterentwicklung zeichnete sich ab. Als einer meiner wichtigsten Lehrer, Steve Halfpenny aus Australien, die Parelli-Organisation verließ, gingen etliche Freunde und ich mit ihm auf den neuen Weg – und ließen Einfluß weiterer Top Horsemen weltweit zu: unter ihnen Tom und Bill Dorrance †, Ray Hunt †, Buck Brannaman, Philip Nye, Mark Rashid usw. Steve brachte uns allen über viele Jahre alles bei, was er wußte. Und wir erkannten erst, wie wenig wir bis dato wußten...
In den folgenden Jahren bis heute – und hoffentlich auch noch sehr lange – fühle ich mich wie auf einer Reise: sie begann mit dem ersten Schritt, den ich vor Jahren machte, und führt mich immer wieder in neue Bereiche, läßt mich immer neue Erkenntnisse hinzugewinnen. Und das ist für mich eine Art von Demut: zu erkennen, daß wir stetig weiterlernen. Besonders im Bereich der Pferde und Kommunikation.
Ich bin sehr dankbar für meinen Weg und freue mich darauf, meine Erkenntnisse mit Ihnen zu teilen.
Stetiges Lernen
Wir lernen ständig Neues dazu, auf allen Ebenen – bei der Reittechnik ebenso wie in Kommunikation und Körpersprache. Manchmal liegt uns diese Endlosigkeit schwer im Magen und wir wollen doch etwas „haben“: das Reitabzeichen, den Turniersieg, die neue Ausrüstung. Doch wofür? Die Pferde interessiert das nicht. Buck Brannaman hat einmal formuliert, daß Pferde einen nicht danach beurteilen, ob man reich oder arm, groß oder klein, erfolgreich oder bankrott ist. Pferde beurteilen den Menschen danach, welches GEFÜHL er ihnen genau in diesem Moment vermittelt. Und warum legen wir dann nicht unsere volle Konzentration auf dieses Gefühl? Alles andere folgt zu gegebener Zeit ganz natürlich.
Dieses Gefühl für die Verbindung zu entwickeln, braucht Übung, Ausdauer, Willen und Hartnäckigkeit. Wenn in unserem Herzen nichts anderes als Leidenschaft dafür da ist, wird es geschehen – sehen Sie Beispiele großer Horsemen weltweit...
… und das Beste ist: Sie können das auch! Glauben Sie mir nicht? Wagen Sie einen Versuch und betreten Sie Neuland, es wird spannend – und leidenschaftlich!
Gefühl
Kennen Sie das? Sie treffen einen Menschen und sind gleich mit ihm auf einer Wellenlänge. Sie brauchen gar nicht viel sprechen oder erklären, denn sie verstehen sich „blind“. Nicht umsonst gibt es diese Formulierungen in unserer Sprache – um zu erklären, was wir nicht erklären können: Gefühl. Intuition. Resonanz.
interessante Links
- Turbine Online
www.turbine-online.de - Buck Brannaman
www.brannaman.com - Mark Rashid
www.markrashid.com - Steve Halfpenny
www.silversand.com.au - Ray Hunt
www.rayhunt.com - Bill u. Tom Dorrance
www.tomdorrance.com
Referenzen
"Wenn das auch ohne Führseil geht - wieso haben wir das bisher nicht so gemacht?"
- C.M., Teilnehmer beim Kurs "Pferde als Lehrer" im Rahmen des Wandelbarcamp, 12.09.09, Wil (CH)
"Energie folgt der Aufmerksamkeit - und genau das ist Eure Energie beim Führen."
- R.K.
